Mittwoch, 2. April 2008

Bangalore

Mittlerweile hat sich unsere Gruppe getrennt. Hilde, Christina und Nikos treiben sich in Hyderabad und Umgebung herum, während Matthias, Tilman und ich nun schon seit fünf Tagen in Bangalore sind. Bisher hatten wir jeden Tag volles Programm - Wochenende inklusive. Mr. Ramakrishna - auch Rama genannt - von einer NGO, die sich für Biodiesel einsetzt, hat uns alles organisiert. Der Mann ist phänomenal! Heute morgen hatten wir sogar ein Treffen mit dem Chief Secretary von Karnataka. Karnatka ist der Bundestaat, von dem Bangalore die Hauptstadt ist, und der Herr Chief Secretary ist der administrative Kopf vons Ganze. Aus Mangel eines Chief Ministers - gibt hier einige Probleme mit der Koalition - ist er im Moment der höchte Mann im Bundesstaat. Uuuuh - und er hörte uns und unserem Biodiesel zu. Für Rama und sein Anliegen eine tolle Sache!
Zum Glück sind wir auch nur 10 Minuten zu spät gekommen. Denn der Verkehr hier in Bangalore ist sowas von schlimm, Delhi ist nichts dagegen. Die Stadt hat ein extremes Verkehrsproblem, für grad mal 10 km braucht man schon mal ne Stunde. Und wenn man so im Stau steht, kann man schonmal ganz nette Fotos machen...
Der Fahrstil der Inder ist auch noch ziemlich unmöglich! Ich bin jedes Mal froh, wenn wir ne Straße heil überquert haben. Mehr als ein Mal sind wir nur knapp einer Motorhaube entkommen. Rama hat schon zwei Blechschäden im Auto, seit wir mit ihm rumfahren. Aber die indischen Autofahrer scheinen alle auf ihren ein oder anderen Gott zu vertrauen, jeder hat im Auto eine kleine Figur, z. B. einen kleinen Gott Ganesha:
... wenn man Hindu ist. Ist man Christ, dann stellt man sich eben einen Franziskus ins Fenster:Und scheinbar nehmen es alle ein wenig mit Humor. Denn wenn man im Straßenverkehr stirbt, dann wird man entweder wiedergeboren oder man kommt in den Himmel. Das ganze Leben ist doch eh nur ein Spiel:
Viele Grüße nach da draußen, und besonders grüße ich unsere bessere Hälfte in Hyderabad. Auf dass wir bald wieder glücklich vereint sein werden!

Kathrin

Dienstag, 25. März 2008

Happy Holi!

„Frohe Ostern“ heißt auf Hindi „Happy Holi“! Nun ja, das stimmt so natürlich nicht ganz, denn es gibt ja auch Christen in Indien. Die Hindus allerdings haben am vergangenen Wochenende das Holi-Fest gefeiert. Wir waren bei einer indischen Familie auf deren Farm am Rande der Stadt Raipur eingeladen und davon gibt’s jetzt hier einige Fotos.
Holi ist eine Art Frühlingsfest, man begrüßt den Frühling und freut sich, dass das Gute über das Böse gesiegt hat. Die Geschichte von Holi wurde mir nämlich folgendermaßen erzählt:
Damals (in der weit zurückliegenden Zeit der Mythen) wollte ein Vater seinen Jungen dazu bringen, dass er ihn wie einen Gott anbetet. Der Junge aber hat sich nicht beirren lassen und immer weiter nur seinen Gott Shiva angebetet. Da wurde der Vater wütend und wollte seinen Sohn von der bösen Holika töten lassen. Holika war das Böse in Person, und sie hatte besondere Fähigkeiten, z.B. konnte sie in Feuer überleben. Holika nahm den Jungen und setzte sich mit ihm auf einen Scheiterhaufen. Aber da griff der Gott Shiva ein, und nicht der Junge verbrannte in den Flammen, sondern die böse Holika.
Deswegen zündet man an Holi ein großes Feuer an. Vorher werden dazu noch Gebete gesprochen und irgendwelche Rituale ausgeführt:

Als ob uns nicht schon heiß genug gewesen wäre ;-):

Das Holi-Fest ist aber vor allem daduch gekennzeichnet, dass man sich gegenseitig mit Farbe beschmiert. Mit vielen bunten Farben, am Holi-Abend und am ganzen nächsten Tag. Rosa und rot sind besonders beliebt. Noch heute – ein paar Tage später – laufen rosa-farbene Inder durch die Straßen, die die Farbe nicht abbekommen haben...
Wir haben uns da nicht entgehen lassen:


Und hier ein besonders schönes Foto mit lauter grün-glitzenden Staubwölkchen. Die Inderinnen mit ihren Saris sehen noch irgendwie hübscher aus als wir:

So kamen wir dann wieder im Hotel an und wollten uns gar nicht waschen, so schön fanden wir uns:

Die LAG Indien wünscht allen da draußen ein Happy Holi!

Samstag, 22. März 2008

Abwechslung auf dem (Weg zum) Land

Hilde und ich vertraten die LAG auf dieser Reise ins ländliche Chhattisgarh. Dort wollten wir eine indische NGO (Winrock International India) besuchen, die ein ländliches Elektrifizierungsprojekt mit aus Jatropha gewonnenem Öl durchführen.

Wir fuhren mittags los und sollten so nach 2 1/2 Stunden da sein. Selten war die Straßen so leer wie hier auf diesem Foto, dafür die Umgebung so schön und die Luft so frisch!


Nur waren in diesen 2 1/2 Stunden da keine Stopps eingeplant um 4 mal den Reifen zu wechseln. Ja, 4 (vier!) mal! Es fing an mit einem (der Fahrer konnte nicht wirklich Englisch) "repair", als wir am Straßenrand hielten und er das Reserverad herausholte um es zu einem Shop zu rollen. Nach 20 Minuten war es "repaired" und die Fahrt konnte weitergehen. Keine 15 Minuten später, hielten wir wieder an. Als ob er es geahnt hatte, war der vordere linke Reifen platt. Das Auswechseln war schnell gemacht (ca. 10 min). Nach einer weiteren halben Stunde hielt er vor einem Restaurant an und fragte "Chai, coffee?" "Klar, gerne", dachten Hilde und ich uns und gingen in die Kneipe,...

...während er das Reserverad zum nahegelegenen Shop rollte (so Reifenshops gibt es wohl in jedem Kuhdorf - Kuhdorf ist in diesem fall wirklich so, es gibt viele - sehr viele - Kühe auf den Straßen und zwischen den Häusern der Dörfer...). Während ich an meinem Chai nippte und dabei auf unser Gefährt starrte, bemerkte ich, dass der Reifen (der vordere linke!) auch schon wieder platt war. Das merkte glücklicherweise auch unser Fahrer, als er vom Reifenshop wiederkam und brachte diesen auch gleich zum Shop. Wir hatten schon lange bezahlt als auch der zweite Reifen "repaired" war und wir weiterfahren konnten - nicht lange weiterfahren konnten. Denn nach 5 Minuten hielten wir wieder an - Reifen platt - vorne links!


Nach weiteren Wechselminuten (gut, dass beide Reifen vorher "repaired" wurden und nicht nur der eine...) fuhren wir weiter und kamen tatsächlich in Kawardha an - der Ort, wo der Sitz der NGO war, die wir besuchen wollten - und der Sitz unseres Hotels.

Unser Kontakt Jay war auch schon etwas besorgt gewesen, wo wir denn blieben - aber nachdem er ein anderes Auto organisiert hatte (weil er unseres für zu unsicher für eine Fahrt aufs Land hielt und wir ihm da auch nicht widersprechen wollten...) fuhren wir im Sonnenuntergang in die Berge. Die frische Luft dort war großartig. Vor allem nach dem tagelangen Einatmen der nur - wenn vorhanden - von der Klimaanlage gefilterten Luft Raipurs, die laut Einheimischen die schlechteste und verschmutzeste Indiens ist. Unser Ziel, Ramidahra, ein von Adivasi (Tribal People) bewohntes Dorf erreichten wir im dunkeln, was aber nicht so schlimm war - denn es war ja beleuchtet, von einem Kraftwerk, dass mit Öl betrieben wurde, das aus Jatropha hergestellt wurde. Hier einer der drei "Conductors" aus dem Dorf, die die Anlage betreiben, sowie ein Winrock-Mitarbeiter.


3 1/2 stunden täglich (zwischen 18.15 und 21.45 Uhr) leuchtet so das Licht in den Haushalten und ermöglicht u.a. das laute Abspielen lauter Radios. Am Rande wurde auch bemerkt, dass die Bevölkerung das Licht auch zum Arbeiten noch nutzen kann - unser Eindruck war aber, dass das nur am Rande eine Rolle spielt. Das Kraftwerk selbst sieht gut aus, arbeitet mit simpler, aber damit auch billiger und angepasster Technologie und funkioniert offenbar seit einem Jahr ohne auch nur einen Tag kaputt gewesen zu sein. Hier ein Foto, das wir nach einem kurzen Gespräch mit einer Familie aus dem Dorf im Vorraum ihrer Hütte aufnahmen. Ganz links, Jay, der Winrock-Projektleiter, und zwischen bzw. neben uns Frau, Mann und Kind. Hinter dem Mann dröhnte das Radio.


Geschlafen haben wir nach einem Abendessen mit neugierigen Indern (also halt ein Abendessen in einem Straßenlokal voll mit Einheimischen) in einem geräumigen Dreibettzimmer mit toller Wandbemalung und Kitsch.


Nach einem Frühstück mit See und Bergblick...


...fuhren wir zurück und hatte keine weiteren besonderen Vorkommnisse. Nur... nein, kein Platten. Aber die Straßen hier sind soooo krass. Um genau zu sein, nicht die Straßen, sondern vielmehr die Fahrzeuge. Und vor allem die Fahrer derselben. Es geht hier darum so lange wie möglich auf der eigenen Spur zu bleiben (Spur ist dabei nicht gleich Fahrbahn!) und keine Schwäche dem auf der anderen Seite fahrenden bzw. überholenden Fahrzeug zu zeigen. So fährt man immer wieder nur wenige Zentimeter an anderen Autos vorbei und oft duckten wir uns, weil wir einen Crash für unausweichlich hielten. Aber wir sind gesund angekommen und waren auch glücklich darüber... :-)

Heute haben wir das Hindufest "Holi" gefeiert. Mehr dazu bald, hier an dieser Stelle...

Viele Grüße, Nikos

Sonntag, 16. März 2008

Das ist WAHRER Tourismus!

Wir machten uns also am Donnerstag auf nach Agra. Dort, wo das berühmte Taj Mahal steht. Die folgenden zwei Tage kamen dem am nächsten, was man wohl Tourismus nennt.
Es fing schon auf dem Bahnhof in Delhi an: Innerhalb von etwa 5 Minuten, während des Gepäckverladens, wurde Christinas Handtasche geklaut. Unglaublich! Kurz vorher freuten wir uns noch, wie sicher Indien ist, und dann passiert's. Im Gedränge im Zug eine Sekunde abgelenkt und schon hat jemand die Gelegenheit genutzt. Aber nach einem ungeheuren bürokratischen Aufwand in der Polizeistation von Agra ist nun alles geregelt.
Für das Ärgernis am Morgen hat uns dann aber dieser Anblick am Nachmittag entschädigt: Das Taj Mahal, in all seiner strahlenden Schönheit! Gut, es hat geregnet, aber wen interessiert's... Wir vier fanden's super: Es gibt übrigens nur wenige Fotos, auf denen das Taj nicht schief aussieht. Ich glaube, von seiner Schönheit geblendet, achten die meisten Fotografen nicht mehr auf sowas. Hier das Taj von einer anderen Seite:
Neben dem eigentlichen Taj Mahal gibt es noch einige Nebengebäude, die nicht weniger beeindruckend sind. Eins davon ist eine Moschee, wo man ja immer die Schuhe ausziehen muss. Oder etwa doch nicht? Wir waren extrem verwirrt: Der Anblick des Taj Mahal war schon einen Zwischenstop wert, nur leider waren wir nicht die einzigen, die sich das gedacht haben. Es gab sie in den verschiedensten Variationen, die Touris. Hier vor dem Südtor des Taj: Und am nächsten Tag sind wir noch nach Fatepur Sikri gefahren, wo nicht minder wenige dieser Spezies zu sehen waren:Aber die alte, verlassene Stadt der Mogulen hatte auch mehr zu bieten. Es gab wunderhübsche Gärten und schöne rote alte Gemäuer zu besichtigen:Und am Samstag dann sind wir in den Zug nach Raipur gestiegen. Über 24 Stunden Fahrt, das war schon etwas anstrengend. Immerhin konnte man sich an die offene Zugtür stellen, wenn einem mal langweilig war, und in die öde und trockene Landschaft Mittelindiens schauen:Natürlich haben wir auch gearbeitet. Wer lässt schon gerne einen Tag ohne Arbeit verstreichen. Besonders im Zug, wo wir ja irgendwie die Zeit totschlagen mussten:Aber nun sind wir heute in Raipur angekommen. Die Hauptstadt von Chhattisgarh ist schon recht groß, aber laut Hilde und Christina - die als einzige heute mal über die Straße gegangen sind - sind wir Europäer hier noch exotischer als in Delhi. Nikos und ich werden das dann mal morgen austesten. Heute haben wir das Hotel nicht mehr verlassen, diverse Magen-Darm-Beschwerden hielten uns davon ab. Aber das vergeht wieder...

Bis zum nächsten Mal, eure Kathrin.

Mittwoch, 12. März 2008

Want juice?

"Want juice?" Wir waren gerade von der Biodieselfabrik, in der uns Wasser und Tee gereicht wurden, losgefahren. Warum wollten unsere Fahrer jetzt schon wieder halten um Saft zu kaufen? Wir blickten uns ratlos an und sagten "No, thank you, it's ok..." Sie schienen uns jedoch nicht verstanden zu haben und wiederholten ihre Frage: "Want juice? Sugar cane?" Wir stoppten also auf der verstaubten - wenngleich geteerten - Dorfstraße und standen vor einem kleinen florierenden Unternehmen:


Wir wurden zu stinkenden Kübeln geführt, in denen der Zuckerrohrsaft gekocht wurde, um dann zu kleinen Zuckerküchlein geformt zu werden. Ein Geschmackstest brachte das Ergebnis: süß!

Glücklicherweise sollter unser "juice" nicht aus diesen Kübeln kommen. Stattdessen wurde er semi-motorisiert frisch gepresst...


...floss durch einen kleinen Betonkanal, wurde dort abgeschöpft und gefiltert.


Nach einer weiteren Filterung bekamen wir Alubecher gereicht (deren "Reinigung" ich aus den Augenwinkeln lieber nicht beobachtet hätte). "Good juice?", fragten unsere Fahrer. Nach einem kritischen Blick und einem nicht minder kritischen Geschmackstest, konnten wir diese Frage mit "Yes, very good" beantworten. Süß war er auch, aber auch etwas grasig. Nicht schlecht, aber mehr als einen Becher hätte ich nicht geschafft...

Wir machten uns also auf die schöne Rückfahrt und genossen die süße Aussicht...
Morgen verlassen wir Delhi in Richtung Agra...

Viele Grüße, Nikos