Hilde und ich vertraten die LAG auf dieser Reise ins ländliche Chhattisgarh. Dort wollten wir eine indische NGO (
Winrock International India) besuchen, die ein ländliches Elektrifizierungsprojekt mit aus Jatropha gewonnenem Öl durchführen.
Wir fuhren mittags los und sollten so nach 2 1/2 Stunden da sein. Selten war die Straßen so leer wie hier auf diesem Foto, dafür die Umgebung so schön und die Luft so frisch!

Nur waren in diesen 2 1/2 Stunden da keine Stopps eingeplant um 4 mal den Reifen zu wechseln. Ja, 4 (vier!) mal! Es fing an mit einem (der Fahrer konnte nicht wirklich Englisch) "repair", als wir am Straßenrand hielten und er das Reserverad herausholte um es zu einem Shop zu rollen. Nach 20 Minuten war es "repaired" und die Fahrt konnte weitergehen. Keine 15 Minuten später, hielten wir wieder an. Als ob er es geahnt hatte, war der vordere linke Reifen platt. Das Auswechseln war schnell gemacht (ca. 10 min). Nach einer weiteren halben Stunde hielt er vor einem Restaurant an und fragte "Chai, coffee?" "Klar, gerne", dachten Hilde und ich uns und gingen in die Kneipe,...

...während er das Reserverad zum nahegelegenen Shop rollte (so Reifenshops gibt es wohl in jedem Kuhdorf - Kuhdorf ist in diesem fall wirklich so, es gibt viele - sehr viele - Kühe auf den Straßen und zwischen den Häusern der Dörfer...). Während ich an meinem Chai nippte und dabei auf unser Gefährt starrte, bemerkte ich, dass der Reifen (der vordere linke!) auch schon wieder platt war. Das merkte glücklicherweise auch unser Fahrer, als er vom Reifenshop wiederkam und brachte diesen auch gleich zum Shop. Wir hatten schon lange bezahlt als auch der zweite Reifen "repaired" war und wir weiterfahren konnten - nicht lange weiterfahren konnten. Denn nach 5 Minuten hielten wir wieder an - Reifen platt - vorne links!

Nach weiteren Wechselminuten (gut, dass beide Reifen vorher "repaired" wurden und nicht nur der eine...) fuhren wir weiter und kamen tatsächlich in
Kawardha an - der Ort, wo der Sitz der NGO war, die wir besuchen wollten - und der Sitz unseres Hotels.
Unser Kontakt Jay war auch schon etwas besorgt gewesen, wo wir denn blieben - aber nachdem er ein anderes Auto organisiert hatte (weil er unseres für zu unsicher für eine Fahrt aufs Land hielt und wir ihm da auch nicht widersprechen wollten...) fuhren wir im Sonnenuntergang in die Berge. Die frische Luft dort war großartig. Vor allem nach dem tagelangen Einatmen der nur - wenn vorhanden - von der Klimaanlage gefilterten Luft
Raipurs, die laut Einheimischen die schlechteste und verschmutzeste Indiens ist. Unser Ziel, Ramidahra, ein von Adivasi (Tribal People) bewohntes Dorf erreichten wir im dunkeln, was aber nicht so schlimm war - denn es war ja beleuchtet, von einem Kraftwerk, dass mit Öl betrieben wurde, das aus Jatropha hergestellt wurde. Hier einer der drei "Conductors" aus dem Dorf, die die Anlage betreiben, sowie ein Winrock-Mitarbeiter.

3 1/2 stunden täglich (zwischen 18.15 und 21.45 Uhr) leuchtet so das Licht in den Haushalten und ermöglicht u.a. das laute Abspielen lauter Radios. Am Rande wurde auch bemerkt, dass die Bevölkerung das Licht auch zum Arbeiten noch nutzen kann - unser Eindruck war aber, dass das nur am Rande eine Rolle spielt. Das Kraftwerk selbst sieht gut aus, arbeitet mit simpler, aber damit auch billiger und angepasster Technologie und funkioniert offenbar seit einem Jahr ohne auch nur einen Tag kaputt gewesen zu sein. Hier ein Foto, das wir nach einem kurzen Gespräch mit einer Familie aus dem Dorf im Vorraum ihrer Hütte aufnahmen. Ganz links, Jay, der Winrock-Projektleiter, und zwischen bzw. neben uns Frau, Mann und Kind. Hinter dem Mann dröhnte das Radio.

Geschlafen haben wir nach einem Abendessen mit neugierigen Indern (also halt ein Abendessen in einem Straßenlokal voll mit Einheimischen) in einem geräumigen Dreibettzimmer mit toller Wandbemalung und Kitsch.

Nach einem Frühstück mit See und Bergblick...

...fuhren wir zurück und hatte keine weiteren besonderen Vorkommnisse. Nur... nein, kein Platten. Aber die Straßen hier sind soooo krass. Um genau zu sein, nicht die Straßen, sondern vielmehr die Fahrzeuge. Und vor allem die Fahrer derselben. Es geht hier darum so lange wie möglich auf der eigenen Spur zu bleiben (Spur ist dabei nicht gleich Fahrbahn!) und keine Schwäche dem auf der anderen Seite fahrenden bzw. überholenden Fahrzeug zu zeigen. So fährt man immer wieder nur wenige Zentimeter an anderen Autos vorbei und oft duckten wir uns, weil wir einen Crash für unausweichlich hielten. Aber wir sind gesund angekommen und waren auch glücklich darüber... :-)
Heute haben wir das Hindufest "
Holi" gefeiert. Mehr dazu bald, hier an dieser Stelle...
Viele Grüße, Nikos